Kinder haben häufig große Schwierigkeiten, die Trauer, die in ihnen ausgelöst wird, zum einen als Trauer zu erkennen und zum anderen diese auch zuzulassen. Gerade Jungs neigen dann eher dazu dieses Gefühl in Wut nach außen zu tragen.

Gefühle brauchen einen Ausdruck, um nicht nach Innen zerstörerische Tendenzen der Autoaggression (selbstverletzendes Verhalten) zu entwickeln.

Vielleicht beginnen wir erst einmal mit der Erklärung zu dem Begriff „Aggression“. Der lateinische Ursprung dieses Wortes kommt aus „aggredi“, das soviel heißt wie, „sich auf etwas zu zubewegen, fortzuschreiten“ etc. Das heißt: Grundsätzlich ist Aggression keineswegs etwas Schlechtes, sondern die sich daraus entwickelnden Verhaltensweisen, wie zum Beispiel Gewalt, sind das daraus resultierende nicht erwünschte.
Würde man also sagen, man möchte ein Anti-Aggressionstraining machen, ist dies erst einmal grundsätzlich falsch. Würde man hingegen man von einem Anti-Gewalttraining sprechen, wird gleich deutlich, dass es um die Veränderung eines nicht erwünschten Verhaltens geht.

Sie könnten jetzt denken, dass diese Ansicht sehr kleinlich ist, jedoch wird es in diesem Punkt spannend, denn gerade in den kleinen Nuancen verstecken sich in der Pädagogik die großen Wirkungen.

Finden wir ein Kind ist ein aggressives Kind so stigmatisieren wir es sogleich in seiner Persönlichkeitsstruktur. Jetzt gibt es Menschen, die sogar meinen, genetisch wären solche Persönlichkeitsstrukturen vorbestimmt und genau dann, bestätigen wir uns unsere Wahrnehmungen und geben dem Kind keine Chance mehr sich zu entwickeln.

Ich persönlich vertrete daher lieber die Haltung, dass Menschen ein bestimmtes Verhalten erlernt haben als Lösung für Ihre Fragestellungen und dieses Verhalten aber jederzeit verändert werden kann, wenn es für diesen Menschen auch zu einer Lösung führt.

Gerade im Umgang mit Kindern und Erwachsenen die gewaltätiges Verhalten massiv gezeigt haben, habe ich in meiner beruflichen Welt viele spannende Erfahrungen gemacht, die meine oben beschriebene Darstellung untermauert.

Ich möchte Ihnen von einer Mutter erzählen, die ganz verzweifelt bei mir anrief und das Telefonat so begann, indem Sie sagte:
„Hallo Herr Knippertz endlich habe ich Sie gefunden. Ich habe gehört Sie sind der Experte für mein Kind.“
Ich war natürlich gleich an dieser Stelle sehr verwundert und entgegnete der Mutter, dass ich ihr Kind doch nicht einmal kennen würde. Sie erzählte mir auf meine Frage, wie sie zu dieser witzigen Idee käme, dann dass sie schon viele Dinge ausprobiert habe, aber das Verhalten ihres Achtjährigen sich nicht verändern würde. Er schlage sich in der Schule und sei dauernd wütend. Als ich sie fragte, ob er auch sie schon geschlagen habe, bejahte sie auch das und man konnte ihr, allein an ihrer Stimme, anmerken, wie schlecht es ihr damit ging. Wir verblieben als so, dass ich ihr sagte, dass ich mich gerne mit ihr Treffen würde, um mit ihr einen Weg zu entwickeln, wie das Verhalten von ihrem Sohn sich so verändern würde, dass er lernt mit seiner Wut und Trauer anders umzugehen. Im Verlauf unserer gemeinsamen Suche fragte mich die Mutter immer wieder, ob ich nicht mit ihrem Sohn arbeiten müsse. Sie war sehr darüber verwundert, dass ich dies immer wieder mit demselben Satz: „Das ist nicht nötig“ beantwortete.
Schon nach 2 Wochen beschrieb die Mutter, dass ihr Sohn sich merkwürdig positiv verändern würde und auch sie hätte das Gefühl, dass sie wieder eine größere Nähe und Zuneigung zu ihm verspüren würde. Sie hatte dann die wirklich interessante Idee, dass ich vielleicht telepathische Fähigkeiten habe und so Einfluss auf das Verhalten ihres Sohnes genommen hätte. Es war aber etwas anderes passiert.

Wenn Sie bis eben noch dachten „mein Kind ist so aggressiv und schwierig“ vielleicht sogar „gestört“? Dann sollte dieser Artikel Zweifel bei ihren bisherigen Gedanken aufkommen lassen und sie dabei ermutigen, dass es vielmehr ein Verhalten ist, das absolut veränderbar ist und nicht etwa ein Persönlichkeitsmerkmal. Sie können ihrem Kind dabei helfen, andere Wege zu gehen und das Gefühl so zu kanalisieren, dass es die Gewalt als Lösung nicht mehr braucht und schon gar nicht bevorzugt.

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